Luise F. Pusch, Mitbegründerin der feministischen Linguistik, im Frauenkulturzentrum

Die Frau ist nicht der Rede wert“

Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker‘ hören wir nach jeder Medikamentenreklame. Aber wie wäre es denn mal mit einer Sendung „Wer wird Millionärin“?
Zwei kleine Beispiele, mit denen Luise Pusch die zahlreich erschienenen Zuhörerinnen im Frauenkulturzentrum auf ihr Thema – Männersprache / Frauensprache einstimmte.
Auch folgendes Zitat mache deutlich, wie dominant der männliche Sprachgebrauch im Deutschen sei: „Jede Sprache entwickelt sich….nicht anders als
jeder Mensch sich vom Kind zum Jüngling, vom Jüngling zum Mann und zum Greis entwickelt“. (Emil Staiger, 1968).

Seit 30 Jahren kämpft Luise Pusch darum, Frauen in der Sprache und den Bildern, die die eindeutig männlichen Begriffe in unseren Köpfen entstehen lassen, deutlich werden zu lassen. Nicht durchgesetzt habe sich ihr Vorschlag, die Stammwörter mit unterschiedlichen Artikeln zu verwenden: der Arzt / die Arzt. Hinter dieser Idee stehe der Versuch, deutlich zu machen, dass das Anhängen der weiblichen Endung bereits eine Abwertung bedeuten könne, was auch daran deutlich werde, dass aus dem ursprünglich rein weiblichen Beruf Hebamme kein Hebammer geworden ist, sondern ein Geburtshelfer. Männer ließen sich eben nicht gerne mitmeinen.

Als kleinen Erfolg in ihrem langen Kampf bezeichnete sie die Einführung des generischen Femininums an der Universität Leipzig, wo es jetzt nur noch Professorinnen und Studentinnen (ohne das große Binnen-I) gibt und männliche Professoren und Studenten selbstverständlich mitgemeint seien, so wie die Gegner einer feministischen Linguistik ja auch immer behaupteten, die Frauen seien selbstverständlich mitgemeint, wenn von Bürgern oder Wählern die Rede ist. Und selbst in der Straßenverkehrsordnung gebe es statt der sonst üblichen Bezeichnung Fußgänger inzwischen die ‚zu Fuß Gehenden‘.

Ein weiteres wichtiges Anliegen sei für sie ihre feministische Biografiearbeit.
Vor vielen Jahren habe sie bei der Durchsicht von Meyers Lexikon 2000 Frauennamen gefunden, denen 100.000 Männernamen gegenüber standen. Inzwischen umfasse ihre Datenbank 32.000 Frauennamen, ca. 1/3 davon seien bereits online gestellt. (www.fembio.org)

Am Ende ihres Vortrages und der anschließenden Diskussion forderte die Referentin die anwesenden Frauen auf, nicht nachzulassen in ihrem Bemühen um eine geschlechtergerechte Sprache, denn auch schon Erreichtes könne wieder verloren gehen.