Mit Anita Schneider im Gespräch - die Landrätin zu Gast im FKZ

 Gern sei sie der Einladung gefolgt, um über ihre Erfahrung als erste Landrätin in Hessen zu berichten, so Anita Schneider zu Beginn des thematischen Teils des monatlichen Brunchs im Frauenkulturzentrum.Frauenpolitik bezeichnete sie als Querschnittsaufgabe, die in vielen Bereichen zu berücksichtigen sei. Und ihr Credo sei, die Menschen ernst zu nehmen mit ihren Bedürfnissen, aber auch mit dem, was sie zu sagen haben.Stolz ist sie auf die Auditierung als „Familienfreundliche Kommune“. Dazu gehört z.B. die Schaffung von sehr unterschiedlichen und flexiblen Beschäftigungsmodellen und Qualifizierungsangeboten. Während in den ersten Jahren in Bezug auf Vereinbarkeit von Familie und Beruf der Ausbau der Kinderbetreuung im Vordergrund stand, gehe es jetzt um die Vereinbarkeit mit Blick auf pflegende Angehörige. Das Durchschnittsalter der Kreisbediensteten liege bei 48 Jahren. Bedienstete können Zeit ansparen, um bei familiären Erfordernissen reagieren zu können. Ein weiterer Bereich, der ihr am Herzen liegt, ist die Schaffung von rentenversicherungspflichtigen Arbeitsmöglichkeiten für Frauen. Nach einer Studie habe man zur Kenntnis nehmen müssen, dass die Berufstätigkeitsquote von Frauen im Kreis unterdurchschnittlich sei. Noch sei nicht klar, warum das so ist. Erst wenn man das wisse, sei es möglich gezielte Maßnahmen zu ergreifen. Auch das Thema Gewalt gegen Frauen sei leider immer noch aktuell. Im letzten Jahr gab es in Zusammenarbeit mit der Kreisfrauenbeauftragten eine Kampagne zur Aufklärung über k.o.-Tropfen und zusammen mit der Oberbürgermeisterin der Stadt setze sie sich für eine mittelhessische Anlaufstelle für von Gewalt bedrohte Prostituierte ein. Der Kreis Gießen ist bundesweit einer der wenigen Kreise, die dieKosten für Verhütungsmittel für Frauen im SGB II Bezug übernimmt und diesen Verhütungsmittelfond sogar aufgestockt hat, um ihn auch für Asylbewerberinnen zugänglich zu machen. Verwaltet wird dieser Fond seit Jahren von Pro Familia.   Auch zur Frage des Ehrenamtes bezog die Landrätin Stellung. Geplant sind im Kreis noch in diesem Jahr zwei Ehrenamtskonferenzen, die zum Ziel haben, die sich verändernden Bedingungen des ehrenamtlichen Engagements mit Vereinen und Ehrenamtlichen zu diskutieren.
Angesprochen auf die Problematik Berechnung der Kosten der Unterkunft für Transferempfänger/innen und die Angemessenheit der Wohnungsgrößen hofft die Landrätin, dass es in absehbarer Zeit möglich sei, zu einer Berechnung zu kommen, die den Ausgleich von erhöhten Kaltmieten nach energetischer Sanierung durch geringere Heizkosten berücksichtigt.
Anne Schmidt, die Vorsitzende des Elisabeth-Selbert-Verein, bedankte sich bei Anita Schneider mit einem Blumenstrauß. „ Einen kleinen Einblick in die vielfältigen Aufgaben einer Landrätin haben wir heute bekommen“, so ihr Fazit nach der über einstündigen Gesprächsrunde im gut besuchten Frauenkulturzentrum.