Blonde Todesengel und sadistische Mannweiber- Ein Vortrag von Brigitte Klaß

Die Frage: Was waren das für Frauen, die in den Konzentrationslagern als Aufseherinnen tätig waren, beschäftigte nach Ende des 2. Weltkrieges nicht nur Gerichte, sondern auch die Gesellschaft. Und die tat sich schwer damit. Das Verhalten und die Untaten dieser Frauen passten so gar nicht in das geltende Frauenbild- fürsorglich, emphatisch, sensibel. Hinzu kam, dass Frauen allgemein als Opfer des Krieges galten, die Väter, Männer und Söhne verloren hatten.
Zeugenaussagen vor Gericht zeigen, dass selbst die Insassinnen der Lager das oft unmenschliche Verhalten der Aufseherinnen als schlimmer empfanden als das der männlichen Aufseher. Das zeigt, dass der moralische Anspruch an Frauen damals und wohl auch heute höher ist als an Männer.
Als entartet, sadistische Mannweiber, SS-Megären wurden die Frauen bezeichnet, die sich durch besondere Grausamkeiten gegenüber den Insassinnen der Lager ausgezeichnet hatten. Sie wurde hart bestraft, im Gegensatz zu oft sehr geringen Strafen für weniger auffälliges Verhalten.
Um Aufseherin zu werden, mussten Frauen sich bewerben. Untersuchungen haben gezeigt, dass es oft sehr junge, alleinstehende Frauen aus den unteren Bildungsschichten waren, die in dieser Bewerbung eine Alternative zum Einsatz in einem Rüstungsbetrieb sahen - Frauen aus einfachen Verhältnissen versteckt in Unformen, die ihnen eine gewissen Macht verliehen.
Die geringen Strafen wurden oft damit begründet, die Frauen seien naiv gewesen, hätten nicht gewusst, was sie erwartet, seinen einfach „hineingeschlittert“. Und damit wurde ihnen letztlich abgesprochen, verantwortlich sein zu können, für das, was ihnen zu Last gelegt wurde.