Vortrag am 3.11. von Charlotte Kitzinger, Arbeitsstelle Holocaustliteratur an der JLU Gießen

„Die Frauen von Birkenau“
Literatur von Frauen über ihre Holocausterlebnisse.

Auf Einladung des Frauenkulturzentrums berichtete Charlotte Kitzinger von der Arbeitsstelle Holocaustliteratur der JLU Gießen am 3. November über die spezifischen Erfahrungen, die Frauen in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern gemacht haben und stellte einige Werke vor – die Erlebnisberichte von Seweryna Szmaglewska „Die Frauen von Birkenau“ und Krystyna Zywulska „Wo vorher Birken waren“, Liana Millus Erzählung „Rauch über Birkenau“, Cordelia Edvardsons autobiografischer Roman „Gebranntes Kind sucht das Feuer“ sowie Ruth Klügers Erinnerungswerk „weiter leben“.
Geschrieben wurden diese Zeugnisse auch, um den vielen getöteten Frauen eine Stimme zu geben und das Andenken an sie zu bewahren. Obwohl zahlreiche überlebenden Frauen ihre vielfältigen Erlebnisse bereits unmittelbar während oder kurz nach den Geschehnissen in einer Vielzahl von Zeugnissen und literarischen Werken festgehalten und erzählt haben, wurden ihre Stimmen oftmals nicht gehört und damit auch nicht wahrgenommen, dass ihre Überlebensbedingungen sich in einigen Teilen entscheidend von denen der männlichen Häftlinge unterschieden. So wurden Frauen mit kleinen Kindern etwa nach der Ankunft in Auschwitz oft sofort mit diesen ins Gas geschickt. Für die in den Lagern geborenen Säuglinge gab es kaum Überlebenschancen, zumal die Mütter auf Grund der unzureichenden Ernährung und der harten Arbeit, die sie verrichten mussten, kaum in der Lage waren, die Kinder zu stillen. Mitunter führten Frauen daher selbst Abtreibungen vor oder töteten ihre Säuglinge nach der Geburt, um ihnen ein qualvolles Verhungern zu ersparen. Auch der Verlust der Weiblichkeit durch das Ausbleiben der Menstruation, das Scheren der Kopfhaare und die häufig vorkommenden Demütigungen des Wachpersonals bedeuteten für viele Frauen eine zusätzliche, große psychische Belastung. Schwangerschaft, Geburt und Mutterschaft sowie vielfältige demütigende Erfahrungen sind daher auch häufige Themen in den Zeugnissen und Werken von Frauen. Berichtet wird aber in diesen oftmals auch, dass es unter den Frauen nicht selten ein hohes Maß an Solidarität gegeben hat und diese dazu beitrug, die Chancen für ein Überleben zu erhöhen. Auch Bücher, die – oftmals geheim und unter Lebensgefahr – in den Lagern zirkulierten, waren konkrete und wirkmächtige Überlebenshilfen, ebenso wie auch das Rezitieren und Verfassen von Gedichten, um wenigstens für eine kurze Zeit dem alltäglichen Grauen zu entfliehen.